1918: Die kurze Zeit des neuen Menschen

Fachtagung des portugiesischen Germanistenverbands

15.-16. November 2018

Lissabon, Universidade Católica Portuguesa

Neue Termine:
Einsendeschluss für Abstracts: 31. August 2018
Benachrichtigung der Autoren: 15. September 2018
Registrierung: 15. September – 15. Oktober 2018

Mit dem Ende des ersten Weltkriegs tritt Europa in eine neue Phase. Viele expressionistische Utopien bleiben sinnentleert auf den Schlachtfeldern zurück oder verändern sich angesichts der russischen Oktoberrevolution von 1917. Zeitgenössische utopische Konzepte, von der Naturheilkunde (Bilz) und dem Blauen Reiter bis zur expressionistischen Lyrik (Schickele, Stadler, Lotz, Rubiner), müssen sich an dieser neuen gesellschaftspolitischen Realität messen lassen. Vormarxistische und marxistische Zukunftsvorstellungen sowie deren Ideale von einer klassenlosen Gesellschaft waren auch in Deutschland im Denken linker Intellektueller verankert und Bestandteil der Arbeiterkultur.

Im Jahre 1918 stehen die Zeichen auf Anfang: Frieden, Dekolonisierung, Revolution, Demokratie. Der neue Mensch scheint jetzt zu einem greifbaren politischen und sozialen Projekt zu werden. Neue künstlerische Ausdrucksformen entstehen (Dada, Bauhaus), die das Spannungsverhältnis zwischen Anarchie und (De/Re)Konstruktion widerspiegeln. Alles erscheint im Bereich des Möglichen.

Gleichzeitig und im Gegensatz dazu bestimmen jedoch Armut, Gewalt und soziales Chaos den Alltag der Menschen. Ihnen würde nur eine kurze Atempause gegönnt sein bis zum Ausbruch eines neuen Krieges.

In dieser Epoche sozialer und politischer Umwälzungen rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die am Ende der zwanziger Jahre während eines philosophischen Kongresses in Davos debattiert wurde: Was ist Mensch? In dem darauffolgenden Jahrzehnt gilt es, Antworten darauf zu finden. Es ist die Zeit der Revolutionen und des gewagten Experimentierens. Die Zeit, in der Utopien von politischer und sozialer Gerechtigkeit plötzlich ihren Weg in die Realität und – durch das neue Medium Film – in die Kinos zu finden scheinen. Doch bereits in Langs Metropolis treten dystopische Elemente in den Vordergrund.

Ein Jahrhundert später wird diese kurze Zeit als eine der Träumer (Volker Weidermann, 2017) und Zauberer (Wolfram Eilenberger, 2018) beschrieben. Aus der Perspektive der erlebten Geschichte ist das kurze Jahrzehnt die Pause, bevor die Politik und die Realität alles wieder überholt und verändert.

Welches Vermächtnis haben uns diese Träumer und Zauberer hinterlassen? Welche künstlerischen, politischen, literarischen, philosophischen Entwürfe haben sie ihrer Zeit entgegengesetzt oder abgerungen? Wie verarbeiteten sie das Trauma des Krieges? Wie wurden sie von dem Fortschritt der Geschichte wieder stumm geschaltet, um in der Zeit danach erneut aufzublühen, nicht zuletzt in Prozessen der Dekolonisierung und eines friedlichen Miteinanders, das Europa bis heute prägt? Was haben sie bewirkt, über die Utopien hinaus?

Wie können wir diese einmalige Zeit aus heutiger Perspektive deuten? Welche Relevanz haben diese Ideen und Entwürfe 100 Jahre später?

 

Der portugiesische Germanistenverband lädt alle Interessierten ein, Abstracts einzureichen, die diesen Themenkomplex aus verschieden Perspektiven ausloten: Literatur, Kunst, Film, Philosophie, Geschichte. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Vorschläge sollten 250 Wörter (ca. 2000 Zeichen) nicht überschreiten und Name, institutionelle Anbindung, E-Mail-Adresse und Vortragstitel angeben.

E-Mail-Anschrift: apeg.1918@gmail.com

Weitere Informationen zu Keynote Speakers, Anmeldung, Unterkunft u.s.w. werden ab Juni auf der Tagungswebseite veröffentlicht.

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